JITOKU
 Was ist Jitoku?
 Verhalten
 Bekleidung
 Begüßung
 Begriffe
BEGRIFFE
Grundbegriffe wo man immer wieder einmal nachschlagen kann

Die hier verwendeten Erklärungen stammen aus dem Lexikon der Kampfkünste von Sensei Werner Lind (Budostudienkreis)
 
Jitoku   Kiai   Kime   Kumite   Mokuso   Osu   Rei   Seiza   Sempai   Sensei


 
  Jitoku
Jitoku (jap.): Ji = Selbst, Toku = Gewinn, Vorteil, in der direkten Übersetzung „Selbstgewinn, -vorteil“, doch in der wörtlichen Übersetzung kann dieses wichtige Prinzip der Meister-Schüler-Beziehung (®Shitei) nicht interpretiert werden. Keinesfalls ist damit ein Gewinn gemeint, den ein Schüler durch die Perfektion der Form erzielt. Vielmehr bedeutet Jitoku, dass der Schüler durch beständiges Hinterfragen seiner Haltung die Grundvoraussetzungen formt, durch die wahres Verstehen möglich wird. Dies kann nicht geschehen, wenn er nur den Formanforderungen (®Shu) ohne eigenes Denken entspricht. Der den Regeln bedingungslos unterworfene Schüler ist ein braver, jedoch fortschrittsunfähiger Mensch. Um fortschreiten zu können, muß er über diese Regel hinausgehen und um eigenes Verstehen (®Ha) kämpfen.
Im bloßen Kopieren dessen, was der Meister sagt oder tut, gibt es kein Verstehen. Der Weg des Budo ist nicht dem Nachahmer, sondern nur dem nach Sinn suchenden Menschen zugänglich. Ohne selbständige Initiative im Suchen gibt es keinen Weg. Diese Initiative in der Haltung zu entwickeln und zu erhalten ist eine wichtige Aufgabe des Schülers. Sie erlaubt, dass jede erlernte Form auf individuelle Weise im Menschen wächst und ein Teil von ihm selbst wird. Was nur kopiert, nachgeahmt oder im herkömmlichen Sinn gelernt ist, bleibt vom Verstehen getrennt und hat auf dem Weg keine Bedeutung.
Doch die Initiative zum Eigenen führt über einen schmalen Grat. Es ist nicht damit getan, oberflächliches Verstehen zu entwickeln, um den Anschein tiefer Erkenntnisfähigkeit zu erwecken. Das Eigene muß in einer Wegübung entstehen, in Selbsterfahrungsprozessen reifen und schließlich mit dem, was vom übergeordneten Standpunkt der Welt haltbar und vertretbar ist, übereinstimmen. In jedem Fall ist es ohne Bedeutung und naiv, wenn es den Anspruch auf Richtigkeit erhebt. Der Wegerfahrung geht eine harte Arbeit an sich selbst voraus. Die Zeit allein, ohne den beständigen Kampf um legitime Erkenntnisse, bringt weder im Leben noch im Dojo einen Fortschritt. In der oberflächlichen Meinung, in der bloßen Dialektik oder im Anspruch auf Rechthaberei gibt es nirgends einen Weg.
Auch der Übungsfleiß ist dafür keine Garantie, wenn er keine Richtung hat. Ohne die rechte Grundhaltung zum Weg, ohne das Miteinbezogensein in die Gesamtheit der hintergründigen Wegprozesse (Dojokun) führt auch der Fleiß zur leeren Form. Jeder Schritt über sie hinaus erfordert vom Übenden eine grundlegende Selbstverantwortung für die Art und Weise seines Lernens. Fehlt sie, ahmt der Schüler unverstandene Techniken nach oder verwirklicht naive Eigenvorstellungen. Das Lernen hingegen, das mit Jitoku gemeint ist, verwirklicht die Wahrheit des Weges im eigenen Selbst.
Ein Kampfkunstübender muß daher bereit sein, mit umfassenden Selbstverantwortungen umzugehen, und verstehen, dass das einzige Hindernis zum Weg nur eine falsche innere Haltung sein kann. So ist es eine der Hauptverantwortungen auf dem Weg, sich um wahres Verstehen selbst zu bemühen. Das Verstehen darf weder von einem Geist, der da meint, bereits verstanden zu haben, noch von einem Geist, der nur am Nachahmen interessiert ist, verhindert werden.
Aus demselben Grund bezeichnen die traditionellen Meister die nur leistungssportlichen Methoden als unzureichend für den Wegfortschritt. Diese Methoden überbetonen den Formaspekt und lassen grundlegende Wegbedingungen außer acht. Richard Kim vergleicht einen Budo-Meister mit einem Menschen, der in den Bergen jodelt. Er kann viele Echos hören, doch er weiß nicht, ob es jemanden gibt, der ihn verstanden hat. Den Meister hören zu lernen gehört in die Selbstverantwortung des Schülers. Der rechte Schüler hört ihn nicht mit seinen Ohren, sondern mit einem Wahrnehmungsorgan, das die sportwissenschaftliche Methode überschreitet. Fehlt es, erkennt der Schüler nur den Maßstab. Jitoku heißt, den Maßstab zu lernen, um den Sinn zu verstehen.
Anders als in den Wissenschaften gibt es auf dem Weg keine feste Formel, die man ohne weiteres lernen und anwenden kann. Alles, was in den Weglehren danach aussieht, ist relativ und für jeden anders. Daher muß die alte Formel, auch wenn sie sich tausendfach durch die Zeit bewährt hat, im eigenen Verstehen Schritt für Schritt neu gegründet werden. Zwar ist es einfacher, sie aus der Tradition zu lernen, doch ist es ein Fehler, sie auf diese Weise übernehmen zu wollen und zu denken, man hätte sie verstanden. Es geht um das Gründen der Formel, auch wenn sie längst existiert, nicht um das Übernehmen. Das, was die vergangenen Meister überliefert haben, dient nur als Beispiel und darf nicht kopiert werden. Es muß auf individuelle Weisen neu entstehen. Die Eigeninitiative, dies zu tun, nennt man Jitoku.
 
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  Kiai
Kiai (jap.): auch Yagui, in der Übersetzung: „Geistesbegegnung“ oder „Versammlung der Energie“.
Rein objektiv gesehen ist der Kiai ein lauter Kampfschrei, in dem ein Übender seine gesamte geistige und körperliche Energie in einer Handlung konzentriert. Er bezeichnet die Manifestation des Ki in der Technik. Kiai wird in der entscheidenden Phase des Kampfes verwendet und soll im Ernstfall von einer tödlichen Technik begleitet sein.
Kiai ist im Vergleich zu Aiki die verkehrte Zusammensetzung zwischen Ki (Energie) und Ai (Harmonie) und bezeichnet das aktive Prinzip des Universums, also das in Aktivität umgesetzte Aiki. Kiai und Aiki sind dementsprechend eng miteinander verwandt und bezeichnen das selbe Prinzip. Aiki ist passiv und wirkt im „Nichttun“, während Kiai das Wirken der Natur im aktiven Handeln verkörpert.
Der geistige Aspekt des Kiai umfasst einen Zustand der Bereitschaft (®Zanshin), der besonderen geistigen Wachheit, die auf jeden plötzlichen Angriff unmittelbar reagieren kann. Es ist ein Zustand so hoher Energie, dass der Schrei ganz spontan hervorbricht. Daher kann der Kiai auch wirkungsvoll eingesetzt werden, um das eigene Maß der Bereitschaft zu steigern.
 
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  Kime
Kime (jap.): der Begriff Kime bezeichnet die Verwendung des inneren ®Ki in der äußeren Technik und wird mit Brennpunkt, Kraftkonzentration oder Zentrum der Kraft übersetzt. Mit Kime meint man das Zusammenwirken der körperlichen und geistigen Kraft in einer Handlung.

Definition des Kime:
Kime ist der äußere Ausdruck der in einer Übung erreichten Ki-Kontrolle und hat seinen Ursprung in einer inneren Verfassung, die man Aiki nennt. Aiki steht für die in allen Wegübungen angestrebte innere Haltung (®Shisei), die nach den Prinzipien des Weges zu verwirklichen ist. Darin ist Ai das Prinzip der Liebe, der Harmonie und Anpassung, eines der Grundkonzepte in allen asiatischen Budo-Künsten, das darauf verweist, dass auch die Wirkung der Technik nicht allein durch Wollen (Streben) zu erreichen ist, sondern einer inneren Übung zur Anpassung und Selbsterkenntnis bedarf.
Aiki steht für die durch wahre Selbsterkenntnis erreichte Harmonie in der inneren Verfassung. Trotz der in den Kampfkünsten erworbenen Fähigkeiten ermöglicht Aiki ein Dasein ohne die Absicht des Tötens oder Vernichtens und die Erkenntnis der rechten Haltung gegenüber der Welt. Aiki ist die durch Selbsterkenntnis erreichte Kontrolle des inneren Ki, ohne die eine Projektion nach außen (Kime) in der Technik nicht möglich ist. Die Wirkung der Technik hat daher ihren Ursprung in der Verwirklichung der psychischen und physischen Gleichgewichtsmitte (Hara), also im „Zulassen“, nicht im „Machen“.
Letztlich bedeutet Aiki die höchste Harmonie des bewussten Daseins überhaupt, die aus der Verbindung zwischen den Prinzipien der Liebe (Bewahrung, Achten, Vertrauen) und Energie (Streben, Erreichen, Wirken) besteht. Das rechte Verhältnis zwischen Ai und Ki ermöglicht bewusstem Leben sich in seiner von der Natur auferlegten Doppelbestimmung (Streben und Achten) sinngerecht zu entfalten. Die höchste Wirkung (Kime) resultiert letztlich aus einer inneren Verfassung, die dem Wirken der Natur (chin. Dao, jap. Do) angeglichen ist.

Formen des Kime:
Die Anwendung von Kime in den Techniken der Kampfkünste hat daher nichts mit der rohen Körperkraft zu tun, sondern entspricht demselben philosophischen Prinzip, das dem gesamten Budo zugrunde liegt: Das Erreichen einer inneren Verfassung (®Shisei), durch die nach dem Beispiel der des Wirkens der Natur wahre Handlung (®Ikken-hissatsu) möglich wird. Daher ist die Verwendung von Körperkraft in der Technik nicht die einzige, sondern nur eine Möglichkeit.

Kime-Techniken können in den Kampfkünsten auf drei Weisen ausgeführt werden:
1. indem man durch Körperkraft mechanische Schockwirkungen erzeugt
2. indem man durch eine weiche Kraft die destruktiven Wirkungen im Körperinneren des Gegners verbreitet und
3. indem man mit Punkttechniken die gegnerischen Vitalpunkte stimuliert.

Die meisten modernen Kampfkunstvarianten befassen sich jedoch, wenn überhaupt, nur mit der ersten Methode, denn die Grundlage dieser Methode ist die tägliche Übung am Makiwara. Dieses Üben führte dazu, dass die Kampfkunstexperten ihren Körper in eine Waffe verwandeln konnten und sie mit ihren Techniken eine Kraftentfaltung von über 700 kg erreichten.
Bruchtests gegen bis zu 20 cm dickes Holz, die mit der bloßen Faust oder Ellbogen ausgeführt werden, sind auch heute keine Seltenheit. Doch auch diese Methode ist eine Wissenschaft für sich. Erst nach Jahren des täglichen Makiwara-Trainings lassen sich Nuancen in der Kraftentwicklung und Kraftübertragung feststellen.
Die „durchdringende Technik“ hingegen läßt sich nicht über das Körperprinzip erreichen, denn ihre Grundlage liegt in den psychologischen Bereichen der Kampfkünste. Auch sie besteht aus verschiedenen Formen der Kraftanwendung und hat in den Kata einen große Anzahl von Techniken entwickelt, die in verschiedenen Kampfkonzepten enthalten sind.
In den okinawanischen Kampfkünsten gibt es eine spezielle Terminologie, die die Entwicklung der verschiedenen Formen von Kime bezeichnet, die das innere Ki verwenden. Als Überbegriff dafür wird die Bezeichnung Shimeijurasan gebraucht. Shimeijurasan ist eine Bezeichnung, die gleichzeitig für die stetige Perfektion des inneren Ki steht. Deshalb ist Shimeijurasan der Inbegriff des Fortschritts überhaupt.
Shimeijurasan enthält verschiedene Formen des Kime, zu deren Verwirklichung nicht nur physische, sondern auch geistige Aspekte, wie die Lenkung des Ki, die Kontrolle des Geistes und der Atmung u.a. gehören. Durch die Kata müssen sie verstanden und im Bunkai so lange geübt werden, bis sie gegen einen tatsächlichen Angriff zu verwenden sind.
 
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  Kumite
Kumite (jap.): die Übung des Kampfes mit dem Partner. Neben ®Kihon und ®Kata ist Kumite die dritte Säule des Karate. Man unterscheidet mehrere Arten der Partnerübung, die sich jedoch alle aus dem ®Bunkai ableiten und sich von einfach bis schwierig in verschiedenen Formen entwickeln. Grundsätzlich unterteilt man die Kampfübungen in zwei große Gruppen:
Yakusoku-kumite und Jiyu-kumite
Äußere Definition
Kumite ist ein von Karateka vielgebrauchter Begriff, doch es gibt nur wenige, die seine wahre Bedeutung kennen. Im allgemeinen übersetzt man Kumite mit „Partnerübung“, „Kampf“ oder „Angriff“. Doch in Wirklichkeit liegt der Sinn viel tiefer. In der japanischen Sprache bedeutet das Wort Kumi in der Übersetzung: Gruppe, Klasse, auswählen, verbinden, kombinieren, eine Gruppe bilden, Arbeit in der Gruppe, etwas für den Partner haben. Dieselbe Silbe wie in Karate wird auch an Kumi angehängt und es entsteht Kumi-te. Te bedeutet im Sino-japanischen „Technik“ und im Japanischen „Hand“. Das Verb Kumitsu übersetzt man „mit den Armen erfassen“ oder „ sich auf jemanden stürzen“.
Kumite bedeutet im Japanischen mithin soviel wie „Begegnung der Hände“ und bezeichnet die Ausdehnung der Übung des Karate-do in jenen Bereich, in dem die Techniken mit dem Partner geübt werden. Diese Übung kann vorgegeben (Yakusoku) oder frei (Jiyu) sein. Diese Interpretation ist die äußere Sicht des Kumite, die den meisten Karateka bekannt ist.
Die Entschlüsselung der Kata-Strukturen, über die sich das ganze Kumite entwickelt, war über Jahrhunderte in allen Stilen geheim. Sie besteht aus einem dreigeteilten Prinzip, und zwar aus dem Technik-System, dem Taktik-System und dem Geist-System.

Innere Definition
Die innere Definition von Kumite ist jedoch eine andere. In ihr existiert die Bezeichnung „Technik der Begegnung“, in deren Sinn sich das strikte Verbot des Wettkampfes aller klassischen Richtungen des Karate-do erklärt. In dieser Interpretation des Kumite ist die menschliche und erzieherische Bedeutung des Karate enthalten. In ihr gibt es keinen Gegner sondern einen Partner, wie dies nicht nur im Karate, sondern in allen klassischen Budo-Arten der Fall ist. In den beiden Aspekten sind also zwei Tendenzen enthalten: Erstens die technische und zweckmäßige Sicht der Technik und zweitens die Übung der zwischenmenschlichen, harmonischen Kommunikation, welche erst eine Grundlage in der Beziehung zwischen zwei Partnern erlaubt. Die menschliche Beziehung zwischen den Übenden einer Kampfkunst untereinander ist in den traditionellen Richtungen ein grundlegendes Gebot. Darauf beruhen die Gesetze der ®Dojokun und der Geisteserziehung ®Shin, ®Kaisetsu. Das Kumite enthält als seine Grundlage eine wahre zwischenmenschliche Beziehung zwischen den übenden Partnern, durch die erst ein Fortschritt im Sinne des Do entstehen kann. Wettbewerb wird deshalb von den traditionellen Richtungen abgelehnt, weil die Tendenzen der Gegner, die sich begegnen, von eigennütziger Natur sind (jeder will gewinnen) und dadurch den Fortschritt in der Übung hemmen (®Ken Zen ichi).

Mi-gamae und Ki-gamae
Insgesamt bezeichnet man bei den Kampfübungen zwei Haltungen (®Kamae) als wesentlich: Mi-gamae (physische Bereitschaft) und Ki-gamae (psychische Bereitschaft). Diese Aspekte sind jedoch nicht voneinander getrennt, sondern greifen ineinander und ergänzen einander gegenseitig.
 
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Mokuso
Mokuso (jap.): „ruhiges Denken“, Meditation, Konzentration, schweigendes Sitzen (®Zazen, ®Meditation). Mokuso wird vor und nach jedem Training der Kampfkünste geübt. Nachdem sich alle Übenden in Reihen aufgestellt haben, gibt der Lehrer das Kommando „Seiza!“, und alle Übenden setzen sich zur stillen Meditation. Es ist von größter Bedeutung, dass die Dauer der Meditation ausreichend ist, bis sich die Schüler der Kampfkünste durch ihre Konzentration auf die Atmung miteinander in Einklang gebracht haben. Die Meditation am Anfang und am Ende jeder Übungsstunde ist ein entscheidender Faktor im Fortschritt der Übenden auf dem Weg.
Der Begriff Mokuso ist aus der Bezeichnung Mokusho-Zen abgeleitet, was wörtlich „das Zen der schweigenden Erleuchtung“ bedeutet. Der Ausdruck wurde von dem Zen-Meister Wanshi Shogaku 1091 - 1157 geprägt, um die in der Soto-Schule bevorzugte Weise der meditativen Praxis zu unterscheiden vom „Zen der Betrachtung der Worte, das in der Rinzai-Schule geübt wird. Im Mokusho-Zen gibt es keine Hilfsmittel wie z.B. Koan oder Mudra.
 
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Osu
Osu (jap.): gesprochen „oss“, stoßen, schieben, drücken. Osaeru - fest halten, beschlagnahmen. Ausdruck, der in den Kampfkünsten häufig als Begleitlaut zum Gruß verwendet wird.
Osu ist die phonetische Übersetzung zweier chinesischer Schriftzeichen, die eine jeweils eigene Bedeutung haben. Das erste Zeichen bedeutet wörtlich „stoßen“ und symbolisiert im übertragenen Sinn eine innere Haltung, in der sich der Mensch bemüht, durch Aktivität alltägliche Hindernisse zu überwinden.
Das zweite Schriftzeichen bedeutet „leiden“ und bezeichnet das Durchhaltevermögen, die Ausdauer und die Geduld, die ein Mensch braucht, um schwierige Lebenssituationen zu überstehen. Osu bezeichnet daher zwei Gegensätze (Streben und Dulden), die jedoch in ihrer Vereinigung die wahre Haltung ausmachen. Es bezeichnet die aktive Energie des Strebens, die der Mensch braucht, um seine Probleme zu lösen, und die passive Energie des Durchhaltens, die nötig ist, um Tiefschläge zu überstehen.
Im Dojo gebraucht man den Ausdruck, wenn man seine Mitübenden oder den Sensei grüßt, oder auch als Zeichen, dass man verstanden hat oder einverstanden ist. Doch mit diesem Ausdruck wird in einem Karate-Dojo auch eine wichtige Botschaft übermittelt.
Wenn ein Übender den Ausdruck im Dojo gebraucht, symbolisiert er seinen Mitübenden, dass er sich im Sinne der philosophischen Bedeutung von Osu zu verhalten bereit ist. Um ihn immer an die rechte Haltung zu erinnern, wurde der Ausdruck in die Kampfkünste übernommen.
 
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  Rei
Rei (jap.): Gruß, Höflichkeit, Dank, Lohn. Reishiki, Reigi - Etikette, Formalität, Zeremoniell, Keirei - Gruß, Verbeugung, Shitsurei - Unhöflichkeit, Burei - Beleidigung, Grobheit.

Geschichte und Philosophie
In den Kampfkünsten als Keirei und Reigi ist Rei von erstrangiger Bedeutung. Es ist ein Ausdruck der Höflichkeit, des Anstandes, des Respekts und der Aufrichtigkeit. „Ohne Höflichkeit geht der Wert des Karate verloren“, sagte Meister Funakoshi. Rei hat eine große philosophische Bedeutung in den Kampfkünsten.
Als Formaspekt gibt es mehrere Arten des Grußes in den Kampfkünsten. Allgemein unterscheidet man zwischen dem Gruß im Stand und dem Gruß im Sitzen.

Je nachdem, welchem Zweck der Gruß dient, gibt es folgende wichtige Arten:
Shomen ni rei - Verbeugung zur Dojohauptseite
Sensei ni rei - Verbeugung zum Meister
Shihan ni rei - Verbeugung zum Meister
Otagai ni rei - Verbeugung zueinander
Sempai ni rei - Verbeugung zum Älteren
Za-rei - Gruß im Sitzen
Ritsu-rei - Gruß im Stehen

Der traditionelle Gruß im Budo beruht auf dem Respekt vor den Vorfahren und den Göttern (Kami). Der Krieger, der sich vor Kamiza verbeugte, übte sich in der Achtung vor etwas, das höher war als er selbst. Dieselbe Bedeutung hat der Gruß am Anfang und am Ende jeder Kata. Diese Unterordnung unter das Höhere ist wichtig für den Geist des Budo. Sie entwickelt die Demut in der generellen Haltung gegenüber dem Leben (®Shisei).
Es ist der erste Schritt auf dem Weg zur Geistigkeit des Budo:
Der erste Kampf, den es zu gewinnen gilt, ist der gegen sich selbst.

Shomen ni rei
Dieser Gruß wird zu Anfang und zu Ende der Übungsstunde ausgeführt. Dabei grüßen Lehrer und Schüler nach der Meditation in Seiza zur vorderen Wand des Dojo (Shomen). Die Bedeutung dieser Grußform besteht in dem philosophischen Prinzip, dass der Mensch, ehe er sich den weltlichen Dingen widmet, sich etwas zuwenden muß, das größer und bedeutender ist als er. Im Falle des Budo ist es das Ideal, das in der Beziehung zum Dojo, zum Ewigen Meister und zur Kunst besteht. Aus diesem Grund befindet sich an der Shomen-Seite des Dojo zumeist das Bild eines vergangenen Großmeisters.
Sich einer Sache hinzugeben und sie als größer denn das eigene Ich anzuerkennen erzieht die für die Kampfkünste wichtige rechte Haltung gegenüber dem Leben an. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob dies das Ideal, das Universum oder ein Gott ist. Das erste Geheimnis des Budo besteht im Glauben an irgend etwas, das dem Ich seine Schranken zeigt und den Weg zur Reife öffnet. In jeder anderen Absicht sind die Kampfkünste menschenunwürdig und wirken dem Leben entgegen.

Sensei ni rei
Sensei ni rei bezeichnet den Gruß zum Meister, zu demjenigen, der das Bindeglied in der Kette der Überlieferungen ist. Die Bezeichnung ®Sensei steht nicht automatisch jedem zu, der die Kampfkünste unterrichtet. Sie gebührt nur einem Menschen, der sein Leben ohne Rückhalt der Suche nach dem Weg gewidmet hat. Obwohl er ein leibhaftiger Mensch ist, grüßt der Schüler ihn nicht als solchen, sondern als Prinzip des Ewigen Meisters. Auch dieser Gruß ist Teil der Unterwerfung unter das Ideal. Der Sensei steht als leiblicher Mensch nicht höher als der Schüler. Doch als Träger des Ideals, als Mittler zwischen Himmel und Erde, grüßt der Schüler ihn im Zeichen seines Respekts gegenüber dem Höheren. Er unterwirft sich dem Ideal und erlaubt durch seine Demut, seines eigenen Inneren Meister zu werden.
Dieselbe Bedeutung haben die Grußformen Sempai ni rei und Shihan ni rei. Sempai ni rei ist der Gruß zum Älteren, der die Schüler im selben Auftrag wie der Sensei unterrichtet. Auch er wird als Prinzip geachtet, als derjenige, der das Bindeglied zum Höheren ist. Keinem Niedrigeren ist es gestattet, die persönliche Meinung vor die Unterwerfung unter das Ideal zu stellen. Auf dem gleichen Prinzip beruht der Gruß des Niedergraduierten gegenüber dem Höhergraduierten. Shihan oder Hanshi hingegen bezeichnet eine Budo-Graduierung aus der Ri-Stufe des Weges. Diese Meister stehen außerhalb der Unterrichtspyramide und befinden sich nur zu besonderen Anlässen zusammen mit den Schülern in einem Dojo. Nur selten hat ein Dojo die Ehre, einen wirklichen Shihan begrüßen zu dürfen. Sie stehen in einem besonderen Zeichen und werden hoch verehrt.

Otagai ni rei
Otagai ni rei ist der dritte Gruß, den man im Training verwendet. Er wird im Stand (Ritsu-rei) ausgeführt und nicht immer mit der vollständigen Bezeichnung angesagt. Otagai symbolisiert die Einheit, das Ganze und bezieht sich auf die intakten Zusammenhänge, die nötig sind, um die Harmonie des Ganzen aufrechtzuerhalten. Daher bezeichnet Otagai ni rei den Gruß der Übenden untereinander und drückt den grundlegenden Respekt aus, den ein Mensch dem anderen schuldet. Er wird als dritter Gruß zu Anfang des Trainings verwendet, vor und nach den Kombinations- und Partnerübungen, als Dank für die Hilfe eines Mitübenden oder zur höflichen Begrüßung von Gästen, die im hauseigenen Dojo üben.
 
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  Seiza
Seiza (jap.): japanische Form des Sitzens auf den Fersen, in kniender Position, zum Zweck der Zazen-Übung, auch Taiza (Körpersitz) genannt. Erläuterungen zum Inhalt des Sitzens ®Mokuso, ®Zazen. Neben dem Lotossitz, dem halben Lotossitz und Agura die wichtigste und verbreitetste Form des Sitzen im Zazen, wurde von dem japanischen Meister Torajiro entwickelt und gelehrt.

Form und Haltung
In den Kampfkünsten wird zu Beginn und Ende jedes Trainings Seiza eingenommen. Man sitzt auf den Fersen, die Knie sind auf eine natürliche Weise geöffnet, so dass sie ein Dreieck bilden. Zu weit geöffnete Knie erzeugen zu großen Druck auf die Stützflächen und gelten außerdem als schlechte Etikette. Zu enge Knie verringern die Sitzfestigkeit.
Für die Hände gibt es mehrere Haltungen. Im Zen sollten sie sich in Hoin befinden, das heißt, die Fingerspitzen sind zusammen, und die Daumenspitzen berühren sich. In den Kampfkünsten kann man die Hände zu Fäusten ballen und sie mit der Fausthammerseite auf die Oberschenkel legen. Auch kann man die Hände geöffnet auf den Oberschenkeln ruhen lassen.
 
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  Sempai
Sempai (jap.): der Ältere, Vorsteher der Schüler, Übungsleiter in den Kampfkünsten, der selbst Trainingsstunden leitet und Lehrerfunktionen innehat. Gegensatz: Kohai (der Jüngere).
Das Verhältnis Kohai - Sempai durchzieht die gesamte Gesellschaftsstruktur Japans. Überall dort, wo sich zwei Menschen in gegenseitiger Abhängigkeit begegnen, gibt es einen Jüngeren und einen Älteren. Aber auch ohne gegenseitige Interessenbindung besteht dieses Verhältnis zwischen zwei Menschen allein aufgrund des Alters. Der Sempai muß nicht unbedingt der „Lehrende“ sein. Ihm wird jedoch von der Gesellschaft in einem gewissen Sinn die Verantwortung für die Handlungs- und Verhaltensweisen des Jüngeren zugewiesen. Für schlechte Verhaltensweisen des Jüngeren fühlt sich der Sempai verantwortlich und kann vor seinen Mitmenschen das Gesicht verlieren.
 
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  Sensei
Sensei (jap.): Bezeichnung für einen Lehrer. Der Begriff wird jedoch auch für andere hohe Ränge gebraucht (z.B. Professor, Arzt, Meister usw.). Das Gegenteil zu Sensei ist Gakusei (Student, Studierender) oder ®Deshi (Schüler, Lehrling).

Der Lehrer des Weges
Der Lehrer des Weges oder der Meister, in Japan Sensei genannt, hat in den asiatischen Kulturen eine andere Bedeutung als in Europa. Dort ist er nicht derjenige, der einem Schüler Wissen oder Können vermittelt, sondern derjenige, der den Weg zeigt. Dazu bedient er sich einer Kunst (Jutsu), deren Ziel jedoch über das Erlernen der Formen hinaus in einer inneren Auseinandersetzung besteht, woraus die Möglichkeit zum Weg entsteht. Die Lehre (®Oshi) eines Meisters ist daher jenen Menschen unzugänglich, die nur die Form wollen. Sie wendet sich an das dem Menschen innewohnende Potential zum Höheren, zum unerweckten „Meister in ihm“.
Die Bezeichnung Sensei bezieht sich auf einen Menschen, der sich bereits auf dem Weg befindet, um die Problematik der Weghindernisse weiß und in der Lage ist, Schüler über diese Hindernisse zu führen. Sie trifft nur dort zu, wo die Übung, die er leitet (®Geiko), dem Weg und nicht einer Fertigkeit zu irgendeinem Zweck dient. Auf dem Weg zielen alle zu erübenden Techniken auf ein inneres Wachsen (®Shisei) und je vollendeter die Technik, um so größer wird die Forderung des Weges nach dem vollendeten Menschen. Jeder wirkliche Meister wird seine Kunst nur zu diesem Zweck verwenden.

Das Wirken des Lehrers
Meister des Weges ist ein Mensch, wenn in seinem Ausdruck der innere Kampf um das höhere Ideal sichtbar geworden ist, nicht jedoch wenn er bloß eine hohe Leistung vollbringen kann. Der Weglehrer ist auch kein Lehrer im herkömmlichen Sinn, der Schlecht von Recht unterscheidet und dogmatische Wahrheiten vermittelt. Er erkennt keine Thesen an, die das Resultat eines Nachahmens oder Ausleihens sind, sondern er zeigt den Weg zum eigenen Sehen, zum eigenen Denken, den Weg der Befreiung von allem Gefangensein in den Normen und Gewohnheiten, in den unüberprüften Meinungen und Vorurteilen, gleich worin sie bestehen.
So kann ein Schüler (®Deshi), der diesen Weg lernen will, ihm in keiner Situation gerecht werden. Mit herkömmlichen Lernhaltungen zu einem Meister zu gehen heißt, sich ewigen Unfrieden auszusetzen. Das einzige, was den Meister interessiert, ist der Kampf des Schülers gegen sein ®Ich. Kein echter Meister wird in einem Anfänger je etwas anderes sehen als eine vom kleinen Ich verhinderte Möglichkeit zum Wachsen. Nimmt er die Verantwortung als Lehrer an, wird er das Hindernis bekämpfen.
 
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